kiss better

8.4.–24.5.2019

Künstlerinnen:
Mena Moskopf und Laura Sachs

 

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Ein riesiger Bagger, ein technisches Arbeitsgerät ist das Motiv der Einladungskarte der beiden Künstlerinnen. Diese Maschine fasziniert sie, da sie ihren künstlerischen Impetus spiegelt. Das Werkzeug steht für ihre performative Geste und ihren Körpereinsatz und vor allem für ihr präzises Vorgehen beim Entstehen ihrer Kunstwerke.

Beide Künstlerinnen sind an der Düsseldorfer Akademie ausgebildet, beide haben in Bildhauerklassen gelernt. Dies mag der Grund sein, dass sie die künstlerischen Medien der Malerei und Zeichnung hinterfragen.
Sehr wichtig für beide ist der experimentelle Umgang mit dem Material. Und für beide bedeutsam ist, dass der Betrachter ihrer Werke die Bewegung erforscht, also das „tracing“ aus dem diese entstanden sind.

„Der Künstler ist […] von Haus aus ein Gebärdenmacher: er will einen Effekt herbeiführen, und gleichzeitig will er es nicht; die Effekte, die er produziert, hat er nicht unbedingt gewollt; es sind zurückgewandte, umgedrehte, ausgebrochene Effekte, die auf ihn zurückfallen und Modifikationen, Abweichungen, Erleichterungen der Spur hervorrufen.“ (Roland Barthes: Cy Twombly, Berlin 1983, S.11)

Wenn man wissen will, wie Laura Sachs‘ abstrakte Bilder entstehen, nämlich durch intensiven körperlichen Einsatz, begibt man sich gerne auf Spurensuche. Denn die Vorstellung von Malerei, Farbe mit herkömmlichen Werkzeugen auf eine zweidimensionale Fläche aufzutragen, wird bei ihr gründlich hinterfragt. Malerische Codes und Traditionen werden bewusst verworfen. Laura Sachs verwendet in ihrem Arbeitsprozess verschiedene Techniken, Drucktechniken, Frottage und Collage.

Bei einigen Werken ist die Leinwand das Transfermaterial: die Farbe wird mit Kraft hindurchgepresst. Oder: Die Leinwand kann auf dem Atelierboden geschliffen werden und nimmt somit Schmutz und Staubpartikel auf, während Farbe somit wieder abgerieben wird.
Es ist ein provoziertes Wechselspiel zwischen Kontrolle und Loslassen. Es geht Laura Sachs um das Finden des richtigen Punktes zwischen Zuviel und Zuwenig, und um die richtige Setzung in der Fläche. Proportionen werden gefunden durch gliedernde Fremdkörper. So verwendet sie in ihrer Serie „Noon“ Metallschienen, die einen inneren Rahmen setzen.

Laura Sachs schafft hochatmosphärische Bilder, die den flüchtigen Moment festhalten und versiegeln. In ihren monochromen Arbeiten wird die Materialität der Farbe in den Vordergrund gestellt. Angestrebt ist scheinbar der Augenblick angehaltener Zeit, doch die Oberfläche scheint zu atmen und zu vibrieren.

Mena Moskopfs Zeichnungen hingegen möchten die Flüchtigkeit des Momentes nicht nur widerspiegeln, sondern auch in Leichtigkeit weiterführen.
Schon allein das zarte Material des halbtransparenten Seidenpapiers und die Verwendung dünnflüssiger Farbe geben ihren Werken etwas Flüchtiges.
Die Schichtungen des Papiers sind unendlich erweiterbar, auch in den Raum hinein.
Ausgehend von der Beobachtung und dem Erleben zwischenmenschlicher Interaktion und der Frage wie das Digitale unser Sehen und Handeln beeinflusst entstehen ihre Tuschezeichnungen. Kompositorische Basis sind Handyfotos oder Filmstills.

Alltägliche Begegnungen werden herangezoomt und von ihr „seziert“. Es sind Augenblicke, die etwas Persönliches, Intimes schildern, die auffordern, genau hinzuschauen auf menschliche Gestik und Mimik, was uns in unserer Zeit digitaler Bilderflut oft abhanden gekommen ist.
In ihren neuen, sehr farbigen Arbeiten ist auch dieser entscheidende Moment, der Blick einer Sekunde, festgehalten, aber flankiert von den Farb- und Pinselproben. So werden die Spuren des Malprozesses, die Suche nach dem Bild sichtbar.

Mena Moskopfs größte Arbeit, der „Geist“, der durch die Galerieräume weht, spiegelt diesen nicht fassbaren, aber dennoch rationalen Moment des künstlerischen Prozesses wieder.
Der Bagger ruht sich übrigens am brasilianischen Strand von Ipanema aus. Das ist vergnüglich, ebenso wie die Aufforderung der Künstlerinnen: Kiss better! Was eigentlich nur bedeuten soll: Nicht nur die Technik zählt, sondern auch das Gefühl!

Mena Moskopf, geb. 1990 in Dachau, lebt und arbeitet in Köln. Sie hat bis 2017 an der Kunstakademie bei den Professoren Rita McBride, sowie bei Richard Deacon (bei dem sie auch Meisterschülerin war) und Hubert Kiecol studiert.

Laura Sachs, geb. 1985 in Darmstadt, lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat ebenfalls in Düsseldorf bei Professor Hubert Kiecol und als Meisterschülerin bei Professor Gregor Schneider gelernt und 2018 ihren Abschluss gemacht.